Meine lieben Zypern-Krimi-Freunde,
wenn ihr diese Zeilen lest, sitze ich vermutlich schon zwischen Koffern, Listen und der Frage, ob ich einen Schirm hĂ€tte einpacken sollen. (Spoiler: Wahrscheinlich ja.) Denn am Sonntag geht es los â sechs Wochen Japan, Korea und China. In Japan sogar mit dem Camper. Ich kann es selbst noch kaum glauben, wĂ€hrend ich das hier tippe.
Und weil ich gerade so voller Vorfreude und gleichzeitig voller Gedanken bin, möchte ich euch heute etwas erzÀhlen, das mir schon lange auf dem Herzen liegt.
SÀtze, die ich nicht mehr hören kann
âWenn ich genug Geld habe, wenn die Kinder groĂ sind, wenn mein Hund gestorben ist, wenn ich erst mal in Rente bin, dann ⊓
Kennt ihr diese SÀtze? Ich habe sie in meinem Leben so oft gehört. Von Kolleginnen, von Bekannten, von Menschen am Nebentisch im Café. Und am allermeisten von meinen Eltern.
Sie hatten eine lange Liste. Reisen, die sie machen wollten. Orte, die sie sehen wollten. Dinge, die sie endlich in Ruhe genieĂen wollten â âwenn erst mal Zeit ist“. Wenn ich aus dem Haus bin. Wenn genug Geld auf der Seite ist. Nach der Scheidung jeder fĂŒr sich. Wenn die Arbeit nicht mehr ruft. Wenn, wenn, wenn.
Ihr ahnt, wohin diese Geschichte fĂŒhrt.
Beide haben ihre Rente nicht erlebt. Keine einzige der aufgeschobenen Reisen. Keinen der âspĂ€ter“-TrĂ€ume. Die Liste blieb eine Liste â und fĂŒr mich wurde sie zur leisesten, eindringlichsten Lehre meines Lebens.
Warum ich nicht warte
Ich werde oft gefragt, warum ich Dinge einfach so tue. Warum ich 2020 einfach nach Zypern gezogen bin. Warum ich angefangen habe, Krimis zu schreiben und die auch noch veröffentliche. Warum ich jetzt nach Japan fliege, obwohl die Zeiten gerade schwierig sind, obwohl es bequemer wÀre, zu Hause zu bleiben, obwohl, obwohl, obwohl.
Die Wahrheit ist: Ich habe das Warten verlernt. Oder besser gesagt â meine Eltern haben es mir abgenommen.
Denn ich weiĂ heute etwas, das ich mit 25 noch nicht so klar wusste: Es gibt keinen richtigen Moment. Es wird nie der eine Tag kommen, an dem alles passt â genug Geld, genug Zeit, genug Ruhe, genug Mut, genug Sicherheit. Das Leben funktioniert nicht so. Das Leben fragt nicht, ob es gerade gelegen kommt.
Und deshalb fliege ich am Sonntag. Nicht, weil alles perfekt ist. (Ist es nicht.) Nicht, weil ich gerade besonders viel Zeit hÀtte. (Habe ich nicht.) Sondern weil ich es kann. Heute. Jetzt.
Was ich gelernt habe
Ich glaube nicht, dass man jeden Wunsch sofort umsetzen muss. Manche TrÀume brauchen Zeit, manche brauchen Vorbereitung, manche brauchen Geduld. Das ist okay.
Aber es gibt einen Unterschied zwischen âIch plane das gerade in Ruhe“ und âIch schiebe das auf, weil spĂ€ter ja noch Zeit ist“. Den ersten Satz darf man sagen. Vor dem zweiten habe ich Respekt bekommen. GroĂen Respekt.
Denn âspĂ€terâ ist kein Versprechen. âSpĂ€terâ ist ein Wunsch, der manchmal nicht in ErfĂŒllung geht.
Mein Koffer (wie Ihr aus dem letzten StrandgeflĂŒster wisst, habe ich ihn „Werner“ getauft) und ich
Also packe ich jetzt Werner und stopfe ihn voll mit allem, was ich wahrscheinlich nicht brauche. Dann packe ich noch Vorfreude ein und ein bisschen Aufregung, und ja, auch ein bisschen Respekt, weil die Reise bestimmt auch sehr krÀftezehrend wird. Aber die Vorfreude auf Tokio, mit dem Camper durch die japanischen Alpen, dann nach Okinawa, Seoul, Peking, Shanghai, Shenzen, Macao und Hongkong, wiegt wie immer schwerer. Ich werde ganz viele Fotos machen, wandern und Dinge essen, die ich nicht aussprechen kann.
Und vielleicht â ganz vielleicht â inspiriert euch diese Reise ja, eurer eigenen âSpĂ€ter-Liste“ mal einen ehrlichen Blick zu schenken. Und einen Punkt davon nach vorn zu holen. In dieses Jahr. In diesem Monat. In dieser Woche.
Bis bald aus Fernost đŻ
Eure Tina đ
Eure schlaflose (und gleich abreisende) Tina aus Paphos â bald aus dem Camper irgendwo zwischen Kyoto und Hokkaido
Was steht eigentlich auf eurer âSpĂ€ter-Liste“? Welcher Wunsch wartet schon viel zu lange darauf, endlich nach vorn geholt zu werden? Schreibt es mir in die Kommentare â ich nehme eure Antworten mit auf meine Reise und denke unterwegs an euch. Versprochen. đ